Ein bisschen beschädigt

Es gibt da diesen Film, basierend auf einer wahren Begebenheit, benannt nach dem legendären Rennpferd “Seabiscuit”. Typisch amerikanisch, aber auch genial (7 Oscar-Nominierungen!). Er bringt vier gescheiterte Existenzen derart berührend zusammen, dass ich zwischendurch die eine oder andere Träne unterdrücke; “mann” will ja ein richtiger Kerl sein …

Da ist Charles Howard (Jeff Bridges), reicher Autohändler, der mit dem Unfalltod seines ca. zwölfjährigen Sohnes nicht fertig wird; in der Folge zerbricht auch seine Ehe. Da ist Tom Smith, Pferdetrainer und Aussenseiter, der mehr schlecht als recht durchkommt. Da ist der Jockey, Red Pollard (Tobey Maguire), der als Teenager von seinen Eltern weggegeben wird – sie bringen die Familie während der grossen Wirtschaftsdepression der 1930er nicht mehr durch. Und da ist Seabiscuit, ein Rennpferd aus bester Abstammung, aber zu klein, zu faul, zu fett und von seinen wechselnden Besitzern misshandelt.

Da kommt es zu dieser berührenden Szene: Tom rettet einen Schimmel vor dem Gnadenschuss; das Pferd hat sich das Bein gebrochen, ist somit wertlos. Howard fragt Tom, warum er sich um dieses Pferd kümmere. Tom antwortet: “Man wirft doch nicht ein ganzes Leben weg, nur weil es ein bisschen beschädigt ist.”

Wow.

Das angebrochene Jahr wird vermutlich die eine oder andere Gelegenheit bieten, damit wir uns “ein bisschen beschädigt” vorkommen. Womöglich wird einiges schieflaufen. Was dann? Dann stecken wir nicht den Kopf in den Sand! Dann suhlen wir uns nicht in Selbstmitleid! Dann brauchen wir Freunde, die mit uns durchbeissen.

Apropos … genau so stützt uns Gott, wenn es mal wieder dicke kommt: Nicht durch einen Engel, der plötzlich leuchtend vor uns steht. Nicht durch ein wohliges Gefühl, das uns plötzlich durchströmt. Sondern durch Freunde und Momente, die uns die Kraft geben, weiterzumachen. Auch wenn unser Leben ein bisschen beschädigt ist.

Take good care!
Pfr. Harald Ratheiser