„Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ – Joh 3,14b.15
Wenn ich so darüber nachdenke, merke ich, wie oft sich mein Blick senkt. Er senkt sich auf das Smartphone, auf das Papier auf dem Schreibtisch, auf die Strasse beim Autofahren und wenn ich am Fussboden suche, wo mir die Büroklammer hingefallen ist.
Unser heutiger Bibelvers, der Wochenspruch aus Johannes 3, lädt uns hingegen ein, den Blick zu heben – von unten, dem Alltag, nach oben zu Gott: Jesus muss erhöht werden. Erstaunlicherweise ist damit nicht gemeint, dass ihm besondere Ehre zuteilwird, sondern hier ist das Kreuz im Blick.
Es ist wohl eine der erstaunlichsten Leistungen der christlichen Religion, dass sie es geschafft hat, aus der Grausamkeit des Kreuzes Hoffnung für die ganze Menschheit zu gewinnen. Eben weil Gott selbst am Boden war, gelitten hat und gestorben ist. Doch wo die Welt das Ende sah und die Jünger verzweifelt waren, da sehen wir nun bis heute ein Zeichen des Neuanfangs. Das Kreuz ist das Bekenntnis dazu, dass keine Dunkelheit zu dunkel ist, als dass nicht irgendwann wieder das Licht zu uns dringt.
Auf diesen Jesus dürfen wir schauen, gerade jetzt in der Passionszeit. Auch wenn im Leben der Blick oft nach unten geht, so sehen wir: wie bei Gott aus dem Abgrund wieder der Aufschwung kommt und aus dem Ende des Lebens am Kreuz die Hoffnung auf Auferstehung für alle.
Seid behütet und gesegnet,
Euer Pfarrer Michael Röll