Verletzlich

Das Selbstbild, das Credo unserer Zeit lautet: Ich bin stark! Männer und Frauen, jung und alt, stählen ihre Muskeln und steigern ihre Ausdauer – einige, um fit und gesund zu sein, andere, um nach aussen Stärke zu demonstrieren. Die Bilder, die Junge und Alte auf den sozialen Medien posten, zeigen sie fast immer stark, kräftig, glücklich. Werbung in eigener Sache. Schwäche oder Verletzlichkeit wird kaum je dargestellt.

Stärke wird bewundert und dargestellt. Grundsätzlich ist gegen Stärke auch nichts einzuwenden. Sie hilft uns, die eine oder andere Kiste des Lebens zu tragen. Aber könnte es nicht sein, dass die übertriebene Betonung, die übertriebene Demonstration von Stärke ein Ausdruck ist für die Angst vor Verletzlichkeit?

Erst, wenn wir unsere eigene Verletzlichkeit akzeptieren, sind wir in der Lage, uns mit dem zu versöhnen, was uns verletzt.

Take good care!
Pfr. Harry Ratheiser