Haben in unserer rationalen und digitalen Welt Wunder noch Platz? Schauen wir um uns: Das Frühjahr ist voller Wunder!
Ein brauner Schmetterling mit roter Flügelbinde schaukelt durch den Pfarrgarten. Der Admiral ist in Südeuropa aus seiner Puppe geschlüpft und hat es, oh Wunder, geschafft, über die Alpen bis nach Arbon zu flattern. Aus Samen, nicht grösser als ein Stecknadelkopf, schieben sich feine Wurzeln erdwärts und grüne Blättchen, später bunte Blumenköpfe, himmelwärts. Wie machen die das? Ein Wunder!
Ab anfangs Mai wird es in den Brutkästen unter dem Kirchendach wieder lebendig: Mauersegler schlüpfen bis Ende Juli ein und aus und füttern ihre Jungen mit Insekten aus der Luft. Tausende von Kilometern haben sie letzten Sommer bis nach Süd- und Westafrika zurückgelegt um dort – immer in der Luft – unsere Winterszeit zu verbringen und daraufhin zielgenau den Rückweg in ihre Brutkästen zu finden. Ein echtes Wunder!
Im Bienengärtchen vor dem Sekretariat suchen bald hungrige Wild- und Honigbienen nach einheimischen Blütenpflanzen und blühenden Gehölzen. Besonders gross und prächtig ist die blau-schwarz schillernde Holzbiene, die mit der Klimaerwärmung von Süden her eingeflogen ist. Für die Eiablage benötigt sie altes, morsches Holz. Die Insekten sind nicht nur unverzichtbare Bestäuberinnen, sondern auch Nahrung für viele andere Wildtiere wie Igel, Vögel, Eidechsen, Kröten und Frösche. Zur Insektenförderung wurden und werden im Zug des «Grünen Güggel» auf dem Kirchenareal die aus Kleinasien stammenden Kirschlorbeer und die nordamerikanischen Essigbäume ersetzt durch einheimische Blüten und Beeren tragende Sträucher. Anstelle von sterilen Forsythien soll die bei Insekten beliebte, frühblühende Kornelkirsche, deswegen auch Tierlibaum genannt, gepflanzt werden.
Weitere Massnahmen zu Gunsten der Umwelt waren in letzter Zeit: ein deutlicher Rückgang des Energieverbrauchs, Sicherheitsmassnahmen, sorgsamer Umgang mit Büromaterial und Reinigungsmitteln.
Die Übergabe des wertvollen Re-Audits erfolgte an der Hauptversammlung vom 15.02. durch Kirchenratspräsidentin Christina Aus der Au. Begleitet wurde sie von der kompetenten Helferin auf unserem Weg zum Erfolg, der Romanshorner Pfarrerin Gaby Zimmermann. Die Kirchenratspräsidentin will darauf hinwirken, dass sich auch die Evangelische Kantonalkirche um die Umwelt-Auszeichnung «Grüner Güggel» bemüht. Das ist doch wunderbar!
Erica Willi, Mitglied der Umweltkommission
Holzbiene im Bienengärtli, Sommer 2025
Alle vier Jahre steht die Revalidierung unseres Umweltmanagementsystems Grüner Güggel auf dem Programm – ein wichtiger Moment, um zu überprüfen, wie gut wir unsere Umweltziele umsetzen und weiterentwickeln. In diesem Jahr fand die Revalidierung am 26. November statt. Ein kirchlich zugelassener Auditor prüfte dabei sorgfältig unsere Prozesse und Dokumentationen.
Unser Umweltteam, bestehend aus Regula Köchli, Erica Willi, Szaby Horvath, Martin Engler und Martin Ballat, investierte viel Zeit und Herzblut, um alle Abläufe optimal vorzubereiten. Unterstützt wurde das Team von der Umweltberaterin Gaby Zimmermann, die mit ihrem Fachwissen eine wertvolle Stütze war.
Das Ergebnis der Prüfung ist sehr erfreulich: Wir haben die Revalidierung erfolgreich bestanden! Dies zeigt, dass unser Umweltmanagementsystem gut funktioniert und wir die gesteckten ökologischen Ziele konsequent umsetzen.
Das offizielle Zertifikat wird an der Kirchgemeindeversammlung am 15. Februar 2026 unserer Umweltgruppe von der Kirchenratspräsidentin Christina Aus der Au feierlich übergeben. Herzlichen Dank an alle, die mit ihrem Einsatz diesen Erfolg möglich gemacht haben. Ein grossartiges Beispiel für gelebtes Engagement für unsere Umwelt!
Martin Ballat, Co-Präsident der Kirchenvorsteherschaft
Weisst du, wo die Bienen sind – wo sind sie geblieben …?
Beim Aufgang zum Sekretariat der evangelischen Kirche an der Römerstrasse ist es ruhig geworden. Noch vor wenigen Wochen brummte und summte es dort lebhaft. Das Bienen-Holzgestell an der Hauswand wirkt nun leer und leblos. Schlafen die Wildbienen?
Honigbienen überwintern als Staat („der Bien“) im Stock und leben von ihren Honigvorräten. Dass der Mensch ihnen diese Kostbarkeit meist entzieht und durch Zuckerwasser ersetzt, sei nur nebenbei erwähnt.
Wildbienen (ausgenommen Hummeln) brauchen keine Vorräte. Ihr Leben als erwachsene Insekten dauert nur wenige Wochen. In dieser Zeit sorgen die Weibchen für Nachwuchs. Dafür benötigen sie Hohlräume, wie die Schilfröhrchen im Gestell. Passt der Durchmesser, bringt die Mauerbiene Blütenstaub von bis zu 300 Blüten ein, legt ein Ei darauf und verschliesst die Zelle mit Mörtel; fünf- bis sechsmal hintereinander. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die vom Vorrat zehren, wachsen, sich häuten und sich in einen Kokon einspinnen. Nach der winterlichen Ruhezeit verwandeln sie sich in erwachsene Insekten. Dann ist die frisch geschlüpfte Mauerbiene bereit für ihren Flug in die Frühlingssonne mit blühenden Obstbäumen.
Erica Willi, Mitglied der Umweltkommission
Nestverschluss einer Mauerbiene an einem Schilfrohr
Umweltteam der Evangelischen Kirchgemeinde Arbon (von links nach rechts): Laurenz Winkler, Marc Moser, Robert Schwarzer, Martin Engler, Markus Schoch (Umweltbeauftragter) und Gutachter Dietmar Cords
Für die Evangelische Kirchgemeinde Arbon stand am 15. Januar 2022 die Erneuerung des 2018 verliehenen Umweltlabels «Grüner Güggel» an. Dieses erfüllt die hohen Anforderungen des europäischen Umweltzertifikats EMAS und der Norm 14001, angepasst für Kirchgemeinden und kirchliche Institutionen.
Der für die Rezertifizierung zuständige Gutachter Dietmar Cords überprüfte dabei die umfangreichen Dokumente, welche über die Umweltarbeit der vergangenen vier Jahre der Evangelischen Kirchgemeinde detailliert Auskunft geben, so u.a. über die Umsetzung der verschiedenen Projekte, der Entwicklung der Verbrauchszahlen (Energie, Wasser, Papier), der neu gesetzten Ziele usw. Der Umweltbericht informiert über allen wichtigen Erkenntnisse, Ziele und Massnahmen.
Wer Interesse hat, sich im Umweltteam der Evangelischen Kirchgemeinde zu engagieren, ist herzlich willkommen. Kontakt: Markus Schoch (schoch-koehler@bluewin.ch) oder Robert Schwarzer (robert.schwarzer@evang-arbon.ch; 079 601 06 21).