Liebe Doris, wie bist du zum Mittagstisch unserer Kirchgemeinde gestossen?
Im Frühling 2014 wurde ich von Pfr. Harry Ratheiser angefragt, ob ich die Leitung des Mittagstisch Küchenteams übernehmen könnte. Als Hauswirtschaftslehrerin und da ich bereits zehn Jahre im Herbst Kinderlager unserer Kirchgemeinde gekocht hatte, konnte ich mir das gut vorstellen. Nun kochen wir für jeweils rund 60 bis 70 Personen.
Wie funktioniert der Mittagstisch?
Wir ordnen bewusst Tischgruppen für je acht Personen an. So sitzen die Leute wie an einem grossen Familientisch zusammen. Sie geniessen diese Geselligkeit sehr. Es gibt also nicht Tellerservice, sondern sie schöpfen sich tischweise selbst. Es ist wie zu Hause, bloss in einem anderen Rahmen. Mit Fr. 10.– sind wir auch preislich sehr attraktiv.
Was freut dich am Mittagstisch besonders?
Da gibt es vieles. Besonders schön sind die wertschätzenden Rückmeldungen. Da kommt immer viel zurück. Entsprechend engagieren wir uns mit viel Herzblut. Unser Motto ist: Wir kochen «guet – gsund – regional – saisonal – amächelig». Gerne probiere ich auch neue Rezepte aus, die ich jeweils zuerst zu Hause teste.
Wer kommt alles an den Mittagstisch?
Mehrheitlich sind es pensionierte Frauen und Männer. Einige treffen sich bereits kurz nach 11 Uhr, damit sie zusammensitzen und miteinander reden können. Das finde ich sehr schön. Um 12 Uhr essen wir gemeinsam, kurz nach 13 Uhr verabschiedet Pfr. Harry Ratheiser die Anwesenden. Unser Angebot hat sich mittlerweile weit herumgesprochen, sodass wir oft ausgebucht sind.
Was wünschst du dir für die Zukunft des Mittagstischs?
Ich hoffe, dass unser Mittagstisch auch weiterhin so beliebt und gut besucht bleibt. Dabei spielt natürlich auch die gute Stimmung in unserem Küchenteam eine wichtige Rolle. Deshalb gehört meinem Team ein grosser Dank. Was sie leisten ist grossartig. Im April 2026 findet mein 100. Mittagstisch statt – es wäre schön, wenn wir diesen alle gesund und wohlbehalten erleben dürfen.
Herzlichen Dank, Doris
Die Fragen stellten Miriam Augustine

Wie bist du zu deiner Aufgabe als IT-Verantwortlicher bei der evangelischen Kirche in Arbon gekommen?
Ich kenne die Kirchgemeinde und deren Infrastruktur durch meine langjährige Arbeit im Cevi und weil Regula, meine Frau, im Sekretariat tätig ist. Ausserdem habe ich zuvor Pfarrer Andreas Gäumann immer wieder
mal unterstützt.
Was motiviert dich bei der täglichen Arbeit?
Alles, was Neu und nicht alltäglich ist. Kurz: alles, wo meine grauen Zellen kreativ gebraucht werden.
Was sind aktuell die grössten IT-Herausforderungen, welche es zu bewältigen gibt.
Die Umstellung der Datenablage auf Teams / Sharepoint und damit für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Kirchgemeinde eine Umstellung in der täglichen Arbeit.
Wie verbringst du deine Freizeit am liebsten?
In unserem Garten, mit Regula, den Hunden und einem Grill, über dessen Glut ein feines Stück Fleisch brutzelt. Wenn es dazu dann auch noch einen guten Tropfen in Rot, Weiss oder Rosé gibt, sind wir alle glücklich – sogar
die Hunde.
Das Interview führte Miriam Augustine
Interview/Fotos: Miriam Augustine
Bild: Ruedi Daepp, Präsident der Rebbergkommission
Herr Daepp, wie ist die Idee entstanden, in der Kirchgemeinde Arbon einen Rebberg anzulegen? Was hat Sie dazu inspiriert?
Die Idee entstand an einem Workshop der evangelischen Kirche zum Thema, wie man die Kirche heutzutage attraktiver für unterschiedliche Zielgruppen gestalten kann. Modellcharakter für unseren Rebberg hatte dabei die katholische Kirche in Bussnang, welche bereits einen Rebberg hatte. Dank des Rebbergs ist Bussnang offiziell eine Rebbaugemeinde. Mit dieser Idee sind wir an die Kirchenvorsteherschaft herangetreten, und sofort hat sich eine engagierte Gruppe Interessierter gebildet.
Welche ersten Schritte waren notwendig, um das Projekt zu starten, und welche Herausforderungen gab es am Anfang?
Zuerst mussten wir am Rebhang Bodenproben entnehmen, um abzuschätzen, ob die Parzelle geeignet ist, Reben zu pflanzen. Anschliessend haben wir den kantonalen Rebbaukommissär Hansueli Pfenninger eingeladen, um anhand der Bodenproben und der Exposition zu prüfen, ob an dieser Lage ein Rebberg von zwölf Aaren ins Rebkataster aufgenommen werden kann. Ziel war es zudem AOC-zertifiziert (Appellation d’Origine Contrôlée – Schutzsiegel für bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse) anzubauen und eine höhere Stufe Wein zu produzieren. Eine lustige Anekdote: Vor rund 100 Jahren schenkte die Firma Saurer der Gemeinde das Land, auf dem sich heute der Rebberg befindet – unter der einzigen Bedingung, dass dem damaligen Eigentümer der benachbarten Villa, in der der Sinai- und Afrikaforscher Alfred Kaiser nach seiner Rückkehr aus Ägypten lebte, die Sicht auf den Säntis stets erhalten bleibt. Weil es nun in der Grünzone ist, darf das Land für Reben genutzt werden.
Die Rebbergkommission besteht aus sieben Männern, überwiegend aus der Kirchgemeinde. Welche Rolle spielt die Gemeinschaft bei diesem Projekt?
Zufälligerweise sind wir sieben Männer. Freiwillige, die im Rebberg mitarbeiten möchten, sind natürlich herzlich willkommen. Die Gemeinschaft ist uns sehr wichtig. Sie verbindet uns: So treffen wir uns etwa am Samstagmorgen von 9 bis 12 Uhr. Zuerst verrichten wir die anstehenden Arbeiten, wie z.B. ein Drahtgerüst erstellen, Jäten, Rebtriebe aufbinden, Schneiden usw. Um 9.45 Uhr gibt’s dann ein leckeres Eingeklemmtes und Getränke. Uns Männern wird oft die Flucht vor dem Staubsauger daheim nachgesagt, meint Ruedi Daepp augenzwinkernd. Aber Spass beiseite: Gerade im Erwerbsalter, kurz vor der Pension, bedeutet uns so ein Engagement sehr viel. Ein Projekt zu haben, an dem wir Freude haben, das wir in der Natur wachsen und gedeihen sehen, das uns zusammenschweisst, macht uns glücklich. Kurzum: Es gibt uns eine sinnvolle Beschäftigung, Geselligkeit und ein schönes Schaffen in der wärmenden Morgensonne – besonders dann, wenn die Knospen spriessen.
Welche Rebsorten haben Sie gewählt, und aus welchem Grund? Gibt es eine besondere Vision für den Wein, der hier entstehen soll?
Wir haben uns für einen PIWI Wein entschieden (pilzwiderstandsfähig). PIWI Weine sind attraktive und nachhaltig produzierte Weine aus Rebsorten mit Resistenzeigenschaften und steht für neu, innovativ, robust und ansprechend. PIWI Rebsorten weisen eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten auf und ermöglichen eine deutliche Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln. Als Sorte wählten wir nach einer Blinddegustation beim Weinkelterer Benno Forster die Divico-Sorte. Wir haben 13 Weinsorten degustiert und fanden den Divico ideal. Divico ermöglicht einen reduzierten Pflanzenschutzmitteleinsatz und somit einen ökologischeren Weinbau. Diese Rebsorte ergibt hochstehende Weine mit Gamaret-ähnlicher Qualität. Vielleicht werden wir auch Traubensaft produzieren oder Verjus, eine edle Essig- und Zitronen-Alternative. Verjus wird aus unreifen oder halbreifen, nicht vergorenen Trauben gepresst und macht sich gut als feine Würze in leichten Salaten, feinen Suppen, Marinaden und süssen Vorspeisen. Allenfalls werden wir eines Tages auch einen Grappa produzieren.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Rebbergs? Gibt es Pläne für Veranstaltungen oder eine Einbindung der Gemeinde?
Wir hoffen, dass wir bekannter werden und sich uns weitere engagierte Freiwillige anschliessen oder sich mit Gönnerbeiträgen beteiligen. Es gibt 150 Rebstock-Patenschaften, die somit ausgeschöpft sind. Ich persönlich habe es mir angewöhnt, nach dem Kirchenbesuch stets einen Blick auf den Rebhang zu werden; er ist mir ans Herz gewachsen. Als Partner konnten wir den Wiehnachter Winzer und Önologen Jens Junkert gewinnen. Er wird die Trauben in seinem Betrieb keltern – voraussichtlich erstmals im Jahr 2027. Wir planen, den Wein bei kirchlichen Anlässen auszuschenken und beispielsweise mit einem Grillfest zu verbinden.
