Wenn ich ganz still bin

In meinem letzten “Wort zum Tag” habe ich das stille, wortlose Gebet damit verglichen, die Seele in die Sonne zu halten. Dorothee Sölle hat dazu einen wunderschönen, sehr tiefsinnigen Text geschrieben (in: Die revolutionäre Geduld).

Wenn ich ganz still bin
kann ich von meinem bett aus
das meer rauschen hören
es genügt aber nicht ganz still zu sein
ich muss auch meine gedanken vom land abziehen

Es genügt nicht die gedanken vom festland abzuziehen
ich muss auch das atmen dem meer anpassen
weil ich beim einatmen weniger höre
Es genügt nicht den atem dem meer anzupassen
ich muss auch händen und füssen die ungeduld nehmen

Es genügt nicht hände und füsse zu besänftigen
ich muss auch die bilder von mir weggeben
Es genügt nicht die bilder wegzugeben
ich muss auch das müssen lassen

Es genügt nicht das müssen zu lassen
solange ich das ich nicht verlasse

Es genügt nicht das ich zu lassen
ich lerne das fallen

Es genügt nicht zu fallen
aber während ich falle
und mir entsinke
höre ich auf
das meer zu suchen
weil das meer nun
von der küste heraufgekommen
in mein zimmer getreten
um mich ist

Wenn ich ganz still bin.

Wow, ich habe da noch ganz viel zu lernen.

Take good care!
Pfr. Harry Ratheiser

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