Fliegen

Kannst du fliegen? In deinen Fantasien, in deinen wilden Träumen? Ich habe es nie gelernt, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, einfach mal davonzuschweben. Wobei, vor etlichen Jahren träumte ich, ich sei Papst geworden. Das war etwas verwegen, zumal für einen evangelischen Pfarrer.

Das Gegenteil zum Fliegen ist die zu Boden drückende Müdigkeit. Viele sind müde. Müde geworden an ihren Lebensumständen, an Sorgen und Selbstansprüchen, an den vielen Möglichkeiten, die das Leben bietet, die man ja nicht verpassen zu dürfen meint.

Viele sind müde. Sie leben mit gebrochenen Flügeln. Einige haben Angst vor dem Leben, vor der Welt, nicht zu genügen. Andere trauern dem Leben nach, das sie nicht mehr haben oder nie hatten. Anderen haben Tiefschläge oder Enttäuschungen das Auffliegen ausgetrieben.

Da erinnere ich mich an ein Versprechen, das wie ein Kontrastprogramm tönt: «Die, die ihrem Gott vertrauen, schöpfen neue Kraft. Sie bekommen Flügel wie Adler.» (Jes 40,31) Da höre ich wieder diesen Optimismus, dieses Fliegen-Können. Gottvertrauen ist eine Lebenskraft, mit der wir über uns selbst hinauswachsen.

Take good care!
Pfr. Harry Ratheiser

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