Das geht gar nicht!

„Das geht gar nicht, das ist katholisch“, so äussert sich empört eine Dame nach dem Gottesdienstbesuch. Ihr Unmut wurde geweckt durch den Kerzentisch, der seit einer Weile vorne neben dem Abendmahlstisch in unserer Kirche steht.

Nun sind wir bei Weitem nicht die einzige evangelische Kirche, die solche Möglichkeit zum Kerzenanzünden anbietet, aber das genügt natürlich nicht als Antwort auf die geäusserte Kritik. Da müssen wir schon tiefer schauen:

Wenn wir im Gottesdienst dazu einladen, im Fürbittegebet nach vorne zu kommen, und Kerzen als Zeichen für die persönlichen Gebetsanliegen anzuzünden, dann kommen fast alle. Es entsteht jeweils ein Moment intensiver Ruhe und Andacht, in dem die Menschen geduldig abwarten, bis sie mit dem Anzünden an der Reihe sind. Ich bin überzeugt, dass niemand von ihnen allen glaubt, Gott würde ihre Gebete hören, weil sie eine Kerze anzünden.

Aber es tut gut, ein Zeichen für das eigene unsichtbare Gebet zu sehen, ein Zeichen, das eine Weile bleibt und die eigene Sorge und Hoffnung in einer lebendigen Flamme ausdrückt. Natürlich können wir überall beten, laut oder leise, in festen Formeln oder freien Formulierungen. Wir können es aber auch schweigend tun oder eben indem wir eine Kerze anzünden. Das ist nicht evangelisch oder katholisch, sondern einfach eine Form des Gebets, die vielen Menschen nahe ist.

Übrigens: Unsere Kirche ist jeden Tag von 9.00-17.00 Uhr geöffnet. Sie können jederzeit hineingehen für einen Moment der Ruhe, für ein stilles Gebet – und, wenn Ihnen das gut tut, auch, um eine Kerze anzuzünden.

Pfarrerin Sabine Gäumann

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